Blogbeitrag von Katja Krauß (Tellington Instruktorin für Kleintiere aus Deutschland)
Letzte Woche erzählte mir eine Kundin von einer Herausforderung mit ihrem Hund: Sobald er bemerkte, dass es zum Auto ging, begann er stark an der Leine zu ziehen. Der Grund dafür war eigentlich ein schöner — er freute sich darauf, dass es gleich zum Spaziergang in den Wald gehen würde.
Mittlerweile hatte die Halterin bereits angefangen, Umwege zum Auto zu gehen, in der Hoffnung, dass ihr Hund möglichst spät erkennen würde, wohin es ging. Doch ihr Hund wurde immer besser darin, kleinste Hinweise wahrzunehmen und schon früh zu verstehen: Jetzt geht es zum Auto.
Diese Situation brachte mich ein wenig zum Schmunzeln, denn viele Menschen versuchen manchmal, ihre Hunde auszutricksen. Dabei sind Hunde doch großartige Beobachter. Sie nehmen unsere Körpersprache, unsere Bewegungen und unsere Gewohnheiten so fein wahr, dass sie oft schon zu wissen scheinen, was als Nächstes passiert. Linda Tellington-Jones sagte einmal sehr treffend: „Sie lesen uns die Gedanken aus dem Kopf.“
Ich erklärte der Halterin, dass es nicht darum gehen sollte, ihren Hund vom Weg zum Auto abzulenken, sondern diesen Weg selbst anders zu gestalten. Sie könnte den Spaziergang bis zum Auto abwechslungsreicher machen — zum Beispiel mit kleinen Suchspielen, Apportieraufgaben oder kleinen Tricks. Vielleicht könnte ihr Hund lernen, im Slalom durch ihre Beine zu laufen oder andere kleine Aufgaben unterwegs zu lösen.
Daraufhin sagte sie: „Das ist eine gute Idee, ich soll ihn also ablenken.“
Doch genau hier liegt ein wichtiger Unterschied. Ich verneinte, denn wenn ich meinen Hund von etwas ablenken möchte, worauf richte ich dann meine eigene Aufmerksamkeit? Ich konzentriere mich automatisch auf genau die Sache, von der ich ihn wegbringen möchte — in diesem Fall auf das „zum Auto gehen“. Und genau diese Bedeutung bleibt dadurch bestehen.
Viel hilfreicher ist es, umzulenken. Das bedeutet, die Aufmerksamkeit auf etwas Neues, Positives und Spannendes zu richten. Wenn ich mich darauf konzentriere, den Weg zum Auto möglichst abwechslungsreich und freudvoll zu gestalten, entsteht eine ganz andere Stimmung.
Vielleicht wird der Weg zum Auto durch gemeinsame Spiele, besondere Leckereien, kleine Herausforderungen oder spannende Aufgaben plötzlich zu einem eigenen Erlebnis. Vielleicht wird das Balancieren über eine kleine Mauer, eine Suchaufgabe oder eine gemeinsame Übung unterwegs so interessant, dass der Waldspaziergang schon auf dem Weg beginnt.
Dabei geht es nicht darum, den Hund auszutricksen. Es geht darum, ihm ehrlich eine schöne Alternative anzubieten — etwas, das uns beiden Freude macht. Je mehr Kreativität und Freude wir dabei einbringen, desto eher kann sich die Bedeutung einer Situation verändern.
Auch ruhige Momente können dabei helfen. Vielleicht setzt man sich unterwegs einfach einmal zu seinem Hund, nimmt sich Zeit für Nähe und verwöhnt ihn mit seinen Lieblings-TTouches. So entsteht Entspannung und Verbindung.
Und vielleicht verliert das Auto dann mit der Zeit tatsächlich ein wenig an Bedeutung — nicht, weil der Hund davon abgelenkt wurde, sondern weil der gemeinsame Weg dorthin selbst zu etwas Schönem geworden ist.
Selbstverständlich gilt dieses Prinzip für alle Situationen, in denen der Hund ganz dringend irgendwo hin möchte und wir ihm trotz aller Tellington Tools noch nicht erklären konnten, an lockerer Leine zu laufen.
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