Blogbeitrag von Karin Petra Freiling (Tellington Instruktorin für Menschen und Kleintiere aus Deutschland)
Manchmal geschehen Dinge, die von außen wie ein Wunder wirken. Für mich sind sie vielmehr eine Erinnerung daran, wie viel Potenzial in jedem Hund steckt – wenn wir bereit sind, ihn mit anderen Augen zu sehen.
In der ersten Woche unserer Verhaltenstrainer-Ausbildung beschäftigten wir uns intensiv mit der Philosophie des Tellington TTouch®. Dabei geht es nicht nur um Berührung, sondern auch um innere Bilder, Erwartungen und die Frage: Was traue ich meinem Hund eigentlich zu?
Der Kurs begann turbulent. Zwei Rüden, die bereits als „reaktiv“ und „aggressiv“ abgestempelt worden waren, waren beim ersten Zusammentreffen außer sich vor Erregung. Die Anspannung war deutlich spürbar. Um den Druck abzubauen, stellten wir ruhig einen Sichtschutz auf, arbeiteten mit einfachen TTouch-Übungen und konzentrierten uns darauf, Sicherheit und Orientierung zu vermitteln.
Gleichzeitig bat ich die Halterinnen und Halter, ein neues inneres Bild entstehen zu lassen: die Vorstellung, dass ihre Hunde am Ende des viertägigen Kurses friedlich nebeneinander arbeiten und entspannen können.
Besonders berührend war die Entwicklung von Eddie. Er ließ sich anfangs kaum berühren. Sein Frauchen hatte immer wieder die Bilder eines früheren Unfalls im Kopf und war überzeugt, darin die Ursache für sein Verhalten gefunden zu haben. Ich bat sie, diesen inneren Film zu verändern. Statt des verletzten und misstrauischen Hundes sollte sie beginnen, einen entspannten, verschmusten Eddie vor ihrem inneren Auge zu sehen.
Und tatsächlich geschah etwas Erstaunliches.
Am vierten Tag schmiegte sich Eddie an sein Frauchen und genoss die TTouches in vollen Zügen. In der Nacht suchte er ihre Nähe und schlief entspannt direkt neben ihrem Kopf. Noch bewegender war der Anblick am letzten Kurstag: Der zuvor so wilde Charly lag völlig gelassen neben Eddie auf dem Sofa. Beide Rüden waren entspannt, fühlten sich sicher und konnten einander vertrauen.
Für manche mag das wie ein Wunder erscheinen. Für mich ist es ein eindrucksvoller Beweis dafür, dass Verhalten oft nur die Spitze des Eisbergs ist. Hinter Aggression verbirgt sich häufig Angst, Unsicherheit oder Überforderung – ein stiller Schrei nach Hilfe.
Wenn wir beginnen, nicht gegen das Verhalten zu kämpfen, sondern die Bedürfnisse dahinter zu erkennen, können erstaunliche Veränderungen entstehen. Genau das durften wir in diesen vier Tagen erleben.
Die beiden „Rambos“ fanden Ruhe. Die Menschen fanden Vertrauen. Und alle Teams sind ein großes Stück näher zusammengerückt.
Solche Momente erinnern mich immer wieder daran, warum ich diese Arbeit so liebe.✨
Oft verändert Berührung den Hund. Noch öfter berührt sie den Menschen verändert seine Sicht – und damit die ganze Beziehung.“
Lasst uns die Welt verändern, einen TTouch nach dem Anderen💕
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