Blogbeitrag von Lisa Leicht (Tellington Instruktorin für Menschen und Kleintiere aus der Schweiz)
Auch dieses Jahr verbringe ich die Sommermonate in Südfrankreich, wo ich das Zusammensein mit unseren beiden Katzen Moustache und Fanfan genieße.
Seit Wochen ist es außergewöhnlich trocken und heiß. Mit der Hitze tauchten auch wespenähnliche Insekten auf, die sich hartnäckig auf das Katzenfutter stürzten. Kaum stellte ich die Näpfe hin, waren sie da. Die Katzen wurden so bedrängt, dass sie kaum noch in Ruhe fressen konnten.
Schließlich bestellte ich voller Verzweiflung eine Insektenfalle. Ihr Prinzip ist einfach: Honigwasser lockt die Insekten an. Sie fliegen hinein, finden den Ausgang nicht mehr und ertrinken.
Als ich die Falle aufstellte, hatte ich kein gutes Gefühl. Doch die Gesundheit meiner Katzen schien mir wichtiger.
Schon am nächsten Tag entdeckte ich zwei tote Insekten. Während ich die Falle betrachtete, flog ein drittes hinein. Zwei Stunden später lebte es noch immer. Unermüdlich kämpfte es um sein Leben und suchte einen – nicht existierenden – Ausweg. Dieser Anblick berührte mich tief.
Ich konnte diesem kleinen Lebewesen nicht länger beim Sterben zusehen. Also öffnete ich die Falle. Nicht, weil ich wusste, dass es die richtige Lösung war, sondern weil es sich in diesem Moment richtig anfühlte.
Das Insekt flog heraus, setzte sich einen Moment auf die Mauer und verschwand dann.
Später erfuhr ich, dass viele soziale Insekten über Pheromone miteinander kommunizieren. Sie markieren nicht nur Futterquellen, sondern warnen ihre Artgenossen auch vor Gefahren. Damit eine solche Botschaft weitergegeben werden kann, muss ein Insekt überleben und zu seinem Volk zurückkehren.
Ob genau das hier geschah, werde ich wohl nie wissen. Tatsache ist: Von diesem Tag an blieben die Insekten fern, und meine Katzen können wieder ungestört fressen.
Ich denke, dass mich meine langjährige Erfahrung mit der Tellington-Methode auch in dieser Situation – vielleicht ganz unbewusst – beeinflusst hat. Anstatt das Verhalten der Insekten vorschnell zu bewerten, begann ich genauer hinzuschauen: Was bewegte dieses Lebewesen? Was brauchte es? Welche Ursache könnte hinter seinem Verhalten stehen?
Erst als ich das Verhalten der Insekten nicht mehr als Angriff, sondern als Ausdruck ihres Überlebensinstinkts verstand, entstand Raum für eine andere Möglichkeit.
Beobachtung. Empathie. Verständnis. Respekt. Und die Bereitschaft, Neues auszuprobieren.
Immer wieder führt mich das zu einer einfachen Frage:
„Welche Geschichte erzählt mir dieses Lebewesen durch sein Verhalten?“
Lisa’s nächste Veranstaltung
15. – 18. Oktober 2026: TTouch for You in Nürnberg, Körperarbeit für Wohlbefinden, Konzentration und leichteres Lernen, Basismodul, https://ttouchforyou-bayern.de
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